Süddeutsche Zeitung erhöht Abopreise

Montag, 16. Februar 2009

Während ringsum die Pleitewelle grassiert und beim Geldausgeben das Händchen allgemein stark verkrampft, handeln die neuen Inhaber des Süddeutschen Verlags antizyklisch: Mit einer Preiserhöhung des Abonnements von jetzt 38,40 auf märchenhafte 41,40 Euro. Im Monat. Das sind rund 80 D-Mark, falls sich jemand an diese Währung erinnert.

Der Online-Zugang zur gedruckten Ausgabe kostet übrigens Extra – 6 Euro für Abonnenten, 20 Euro für Nicht-Abonnenten. Diesen Service gibt’s bei der FAZ, die ähnliche Phantasiepreise für die Print-Ausgabe verlangt, für ihre Abonnenten wenigstens noch kostenlos. Bei der FAZ erhält man zudem eine reine Textversion – die SZ hat sich für das aufwändige und für den Leser eher gruselige ePaper ala Neue Zürcher entschieden, bei dem man die Zeitung im Originallayout bekommt mit Myriaden von Javascripts, die den gewünschten Artikel dann herausfriemeln.

Sicherlich sind die Anzeigeneinnahmen gesunken und die Preise für Papier und Maschinen gestiegen. Allerdings muß man das Produkt auch zu einem realistischen Preis verkaufen können. Da bin ich gespannt, ob sich diese Hochpreispolitik durchziehen läßt – angesichts der inhaltlich eher dürftigen Online-Präsententation für den Verlag ein Muß, setzt man doch vor allem auf den Printbereich und laviert sich mit der Online-Version eher so durch. So wünschen wir denn der im Moment einzig noch lesbaren überregionalen Tageszeitung, der Süddeutschen, für die Zukunft alles Gute.

Heuschreckenabgang

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Nachdem die Aktie von Montgomerys Mecom im Verlauf eines Jahres von 86 Pence auf unter 1 Pence gefallen ist und Gläubiger auf die Zahlung von 587 Millionen britischen Pfund pochen, ist der Finanzinvestor Mecom, zu dessen „Zeitungsimperium“ u.a. der Berliner Verlag mit der Berliner Zeitung gehört, nunmehr gezwungen, die Bestände schnell zu versilbern (s. SZ 31.12.2008).

Anfang 2008 forderte die Redaktion der Berliner Zeitung ihren neuen „Verleger“, der den Verlag von Holtzbrinck erworben hatte, auf, angesichts aberwitziger Sparmaßnahmen und überzogener Renditeforderungen den Verlag wieder zu verkaufen. Genau das könnte nun eintreten – gemunkelt wird, daß DuMont einsteigen könnte. Für den Leser bleibt die Hoffnung, daß die inhaltliche und personelle Ausdünnung der einzigen Berliner Alternative zum verstaubten Tagesspiegel endlich ein Ende hat.

[Update] Eine abschließende Würdigung des Finanzinvestors nach dem Verkauf des Berliner Verlags an DuMont hat die Süddeutsche vom 14.1.2009 unter dem schönen Titel Goodbye, „Rommel“, die FAZ unter Der Untergang des Hauses Montgomery.

Süddeutsche komplett bei Google

Dienstag, 09. Dezember 2008

Offenbar liest man auch bei der Süddeutschen Zeitung die Nutzerstatistiken der New York Times, denen zufolge die meisten Besucher nicht explizit die NYT direkt ansteuern, sondern über die Google-Suche kommen. Bei der Süddeutschen scheint man nun die Spezialdatei für den Google-Robot soweit angepaßt zu haben, daß darin weitgehend alle Artikel der aktuellen Ausgabe aufgeführt und damit online via Google zugänglich sind. Den direkten Weg hat man dabei verbaut: Das Portal der Süddeutschen enthält bis jetzt nur einen sehr kleinen Teil der aktuellen Ausgabe rsp. verlinkt nicht auf eigentlich zugängliche Artikel. Man stellt somit die Printausgabe nicht direkt online, hätte aber gern zusätzliche Nutzerzahlen über die Trefferlisten der Suchmaschinen.

Der Perlentaucher, der dies entdeckte, macht sich nun die Mühe, täglich anhand der vorliegenden Printausgabe die Artikel des aktuellen Feuilletons der Süddeutschen zu „ergoogeln“ – „Die ganze SZ ist online – exklusiv beim Perlentaucher“. Sehr schön, leider hat man es dann mit dem Content Management System der Süddeutschen zu tun. Dort gibt es zwar eine Javascript-Druckfunktion, die jedoch keine speziell aufbereitete Seite für den Drucker hervorbringt, sondern lediglich den Weg zum Drucker-Button erspart (also weitgehend nutzlos ist). Getestet mit Firefox, ggf. ist die Website obtimiert für Microsofts IE.

[Update] Und vorbei ist es mit der „Süddeutschen im Netz“. Der Perlentaucher von heute (11.12.) vermeldet: „Die Print-SZ hat ihre Artikel wieder eingepackt“. Das war den Verlagsfritzen wohl zuviel des Guten, womit die SZ-Interessenten wieder mit der reinen Printausgabe vorlieb nehmen müssen (deren Wochenendausgabe übrigens gerade eine Preiserhöhung erfahren hat). Den Webauftritt der SZ zu besuchen lohnt sich nicht, da kaum Übernahmen aus der Printausgabe erfolgen, und die online versammelten Wallawalla-Artikel haben eher Focus-Niveau.

[Update 2] Der Perlentaucher vom 12.12. verlinkt ca. jeden zweiten Beitrag zur Süddeutschen. ;) Dann googelt mal schön.

Gemetzel unter den Printmedien

Freitag, 07. November 2008

In der Neuen Zürcher gibt Heribert Seifert einen Überblick, wie Zeitungsverlage im Moment weltweit auf den Anzeigenrückgang und Auflagenschwund reagieren: Mit Auslagerung von Bereichen, Entlassungen, Schließung von Korrespondentenbüros, Reduzierung des Umfangs und Entlassungswellen. Man macht im Prinzip so weiter wie bisher, nur beschleunigt sich dieser Trend durch die „Finanzkrise“. Eine Strategie, wie man jenseits der Fokussierung auf den Printbereich etwa mit Online-Ausgaben oder „Merchandising“ ala Süddeutsche Zeitung Geld verdienen kann, hat kaum jemand. Interessant in diesem Zusammenhang ist der Absatz über die britische Heuschrecke Mecom, die in Deutschland u.a. die Berliner Zeitung übernommen und dort für verbrannte Erde gesorgt hat. Dazu gab es im Blog bereits hier und hier Artikel.

„Die Mecom-Verlagsgruppe britischer Finanzinvestoren, die in den letzten Jahren zahlreiche Zeitungen in Europa aufgekauft und mit Hilfe rigider Sparprogramme zu renditestarken, aber publizistisch ausgezehrten Anlageobjekten zu machen versucht hat, steht vor einem Trümmerhaufen. Die Gruppe, zu der in Deutschland unter anderem die „Berliner Zeitung“ gehört, gab bekannt, dass die Schulden eine neue Rekordhöhe erreicht haben.“ (NZZ)

Das Geschäftsprinzip sieht bei denen so aus, daß man mit eingesammelten Geldern und Krediten einen Betrieb aufkauft und ihm anschließend die durch den Kreditkauf angesammelten Schulden aufbürdet. Damit sich das für die Heuschrecke lohnt, muß der Betrieb danach eine Phantasierendite von über 20 Prozent abwerfen – wie im Falle Mecom – und zum anderen darf der übernommene Betrieb an die Heuschrecke eine überzogene Ausschüttung vornehmen. Hier beginnt dann die klassische Ausplünderung. Leider schreibt Seifert nicht, ob sich die Rekordschulden auf den Verlag der Berliner Zeitung oder den Investor Mecom selbst beziehen – ich hoffe auf Letzteres. Der Artikel ist online, Link s.o.

In der FAZ vom 8.11. schreibt Michael Hanfeld über die Heuschrecken Permira und KKR, die gegenwärtig Pro Sieben Sat1 nach obigem Schema ausplündern: „So wie David Montgomery mit seiner Mecom den Berliner Verlag ausradiert, wüten KKR und Permira bei Pro Sieben Sat.1. Die Finanzinvestoren beweisen zuallererst selbst, dass sie zu Medienunternehmern und Verlegern nicht taugen.“