Süddeutsche komplett bei Google

Dienstag, 09. Dezember 2008

Offenbar liest man auch bei der Süddeutschen Zeitung die Nutzerstatistiken der New York Times, denen zufolge die meisten Besucher nicht explizit die NYT direkt ansteuern, sondern über die Google-Suche kommen. Bei der Süddeutschen scheint man nun die Spezialdatei für den Google-Robot soweit angepaßt zu haben, daß darin weitgehend alle Artikel der aktuellen Ausgabe aufgeführt und damit online via Google zugänglich sind. Den direkten Weg hat man dabei verbaut: Das Portal der Süddeutschen enthält bis jetzt nur einen sehr kleinen Teil der aktuellen Ausgabe rsp. verlinkt nicht auf eigentlich zugängliche Artikel. Man stellt somit die Printausgabe nicht direkt online, hätte aber gern zusätzliche Nutzerzahlen über die Trefferlisten der Suchmaschinen.

Der Perlentaucher, der dies entdeckte, macht sich nun die Mühe, täglich anhand der vorliegenden Printausgabe die Artikel des aktuellen Feuilletons der Süddeutschen zu “ergoogeln” – “Die ganze SZ ist online – exklusiv beim Perlentaucher”. Sehr schön, leider hat man es dann mit dem Content Management System der Süddeutschen zu tun. Dort gibt es zwar eine Javascript-Druckfunktion, die jedoch keine speziell aufbereitete Seite für den Drucker hervorbringt, sondern lediglich den Weg zum Drucker-Button erspart (also weitgehend nutzlos ist). Getestet mit Firefox, ggf. ist die Website obtimiert für Microsofts IE.

[Update] Und vorbei ist es mit der “Süddeutschen im Netz”. Der Perlentaucher von heute (11.12.) vermeldet: “Die Print-SZ hat ihre Artikel wieder eingepackt”. Das war den Verlagsfritzen wohl zuviel des Guten, womit die SZ-Interessenten wieder mit der reinen Printausgabe vorlieb nehmen müssen (deren Wochenendausgabe übrigens gerade eine Preiserhöhung erfahren hat). Den Webauftritt der SZ zu besuchen lohnt sich nicht, da kaum Übernahmen aus der Printausgabe erfolgen, und die online versammelten Wallawalla-Artikel haben eher Focus-Niveau.

[Update 2] Der Perlentaucher vom 12.12. verlinkt ca. jeden zweiten Beitrag zur Süddeutschen. ;) Dann googelt mal schön.

Kultur in der Zeit

Donnerstag, 19. Juni 2008

Wenn Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften einen “Relaunch” ankündigen, darf man das getrost als Drohung auffassen. Der Auftritt der Zeit im Netz war zwar immer verbesserungsbedürftig rsp. unübersichtlich, jedoch fand sich wenigstens immer ein versteckter Link auf die Inhaltsübersicht der gedruckten Ausgabe. Diese Inhalte sind aber inzwischen so geheim, daß man sie nach dem Relaunch der Website dem Interessenten vorenthält. Stattdessen dudelt eine Flashanimation vor sich hin, die mit dem Herrn Steinmeier für die gedruckte Ausgabe wirbt, “bestellen Sie Ihr Testabo jetzt”. Was an der Tante Zeit noch interessant war, waren die Kulturseiten – gelegentlich gab es sogar Übernahmen relevanter Beiträge in die Online-Ausgabe. Die Kultur ist jetzt in der Online-Ausgabe ganz ans Ende der Übersicht gerutscht und firmiert knapp vor den Wallawalla-Themen, mit denen die Süddeutsche Online meist ihre Leser beglückt. Und dort warten dann, neben wenigen aktuellen Beiträgen, steinalte Artikel auf Leser.

Der Perlentaucher zitierte neulich einen Herrn der Süddeutschen, der sich mächtig über Google aufregte, da der Online-Auftritt der “Welt” so viel höher gewichtet würde als der Onlinekäse der Süddeutschen und der durch das hohe Ranking auch mehr Leser anzieht. Des Rätsels Lösung ist schlicht, daß die Welt erheblich größere Teile der Printausgabe online stellt als bspw. die Süddeutsche. So ganz scheint man es im Süden mit dem Geldverdienen “im Internet” und dem Netz als solchem noch nicht ganz verstanden zu haben. Bevor man den Lesern mit B-Content die Zeit stiehlt, kann man den Onlineauftritt auch ganz zumachen, spart jede Menge Geld und wartet auf Käufer, die die Phantasiepreise für die Printausgaben noch zu zahlen bereit sind.

Spiegel Print-Archiv bald kostenlos im Netz

Montag, 17. Dezember 2007

Nach einer Meldung von Spiegel Online vom 17.12. ist der Spiegel Verlag mit Bertelsmann ein Joint-Venture eingegangen. Die Lexika von Bertelsmann sollen mit Content vom Spiegel ergänzt und unter einer Plattform namens wissen.spiegel.de zusammengeführt werden. Das reißt einen in Kenntnis der Bertelsmannschen Erzeugnisse und des aktuellen Zustands der Spiegel-Printausgabe nicht gerade vom Stuhl, jedoch steht das Interessante etwas weiter unten im Text:

Das bedeutet, dass alle SPIEGEL-Artikel seit der Gründung des Blattes im Jahr 1947 und die Artikel von SPIEGEL ONLINE nunmehr kostenlos online abrufbar sein werden. Nur die jeweils aktuelle Ausgabe bleibt kostenpflichtig.

Womit man Druck auf die Konkurrenz ausübt, die bis jetzt noch keinen Weg gefunden hat, ihren “Premium-Content” gewinnbringend im Netz zu vermarkten. Heise.de liegt bei der Kommentierung nicht ganz daneben, wenn dieser Schritt mit dem neuen Geschäftsmodell der New York Times verglichen wird, die ihr Archiv als auch die aktuelle Ausgabe nunmehr kostenfrei ins Netz stellt und sich dadurch entsprechende Einnahmen aus Werbung zur Refinanzierung erhofft. Beim Spiegel ist dieser Schritt nur konsequent: Wenn sich Einnahmen aus dem Onlineverkauf einzelner Artikel (gerüchtweise…) nur knapp über der Nachweisgrenze bewegen, könnte wenigstens die Freigabe des Archivs relevante Umsätze generieren.

Darüberhinaus erhält man einen nicht gering zu schätzenden Prestigegewinn, wie das Beispiel von Springers Welt zeigt. Niemand würde die Print-Ausgabe der Welt freiwillig kaufen oder zur Kenntnis nehmen, stünde nicht ein nicht unerheblicher Teil der Tagesausgabe im Netz (was sich seit dem letzten Relaunch allerdings wieder relativiert hat). Man darf gespannt sein, wie die Konkurrenz reagiert – damit ist nicht der Focus oder ähnliche Schmonzetten gemeint.

Amazons eBook-Reader Kindle in der NYT

Mittwoch, 28. November 2007

KindleDie New York Times vom 22.11.2007 bringt eine längere Besprechung von Amazons neuem eBook-Reader “Kindle”, der (im Moment?) nur für den amerikanischen Markt konzipiert ist und den Rezensenten zunächst an einen Commodore 64 erinnerte. Das Prinzip von Kindle baut auf Sonys “E Ink”-Technologie auf: Im Gegensatz zu herkömmlichen PDAs wird Energie nur zum Umblättern der “Seiten” oder der Navigation im Dokument sowie für die WLAN-Verbindung verwendet, das spezielle Display speichert immer den jeweils aktuellen Zustand. Frisches Futter wie eBooks oder eigene Dokumente lassen sich via WLAN downloaden oder per USB vom PC übertragen – online aus dem Amazon-Shop oder über eine spezielle Kindle-Email-Adresse, für die Amazon aber gesondert zur Kasse bittet (mit 10 Cent pro E-Mail). Um die Kunden via WLAN bei der Stange zu halten, ist Amazon mit Sprint einen Deal eingegangen, demzufolge Netzzugriffe von Kindles kostenlos erfolgen. In welchem Format die eBooks vorliegen wird zwar nicht angegeben, jedoch dürfte es sich angesichts der Masse an verfügbaren Büchern um PDF handeln. Preislich liegt das Teil bei reichlich absurd erscheinenden 400 US-Dollar.

Alles schon einmal dagewesen, und Sony ist mit einem ähnlichen Modell, ähnlichem Preis und proprietärem Format der eBooks mit restriktivem DRM (Digital Rights Management) auf breiter Front gescheitert, jedoch verspricht sich Amazon durch die Einbeziehung von mehr Verlagen, mehr oder weniger attraktiven Preisen für die eBooks, abgestimmter Software für den unproblematischen Kauf der eBooks (bei Amazon!) über WLAN und vor allem dem günstigen Bezug von Tageszeitungen im speziellen elektronischen Format (PDF?) ein nettes Geschäft. Was dabei auffällt sind die moderaten Preise für die Tageszeitungen. 14 USD für die NYT, 15 USD für Le Monde etc. Angesichts der Mondpreise für die reinen Online-Zugänge hiesiger Tageszeitungen (20 Euro Süddeutsche, 25 für die FAZ) dürfte es hierzulande mehr als schwierig werden, in diesem Bereich ein zusätzliches rsp. alternatives Geschäft aufzuziehen.

Und angesichts des Preises von 400 USD (das wäre dann erfahrungsgemäß auch der Preis in Euro, falls der Kindle hier auf den Markt käme) für ein Gerät, das neben dem Lesen von Dokumenten nur noch einen ziemlich lausigen Webbrowser hat und sonst nichts weiter kann, darf man gespannt sein auf die weitere Preisentwicklung beim Kindle. Mit oder ohne SIM-Lock, quersubventioniert von den darbenden Tageszeitungen, die auch dieses Geschäftsmodell wieder verbocken.

New York Times wieder kostenlos im Netz

Mittwoch, 19. September 2007

Der Webauftritt der New York Times ist wieder kostenlos (komplett) im Netz. Die meisten Inhalte waren auch vorher schon frei erhältlich, lediglich Kolumnen und bestimmte Artikel waren für Abonnenten (Timesselect) für rund 8 USD zugänglich. Immerhin fanden sich für das kostenpflichtige schmale Angebot 227.000 Abonnenten, die einen Umsatz von 10 Mill. USD generierten. Wirtschaftlich war das jedoch vernachlässigbar, sodaß man zuletzt die meisten Zugangsberechtigungen verschenkte – die zahlenden Abonnenten der Printausgabe hatten auch immer den Zugang zum kostenpflichtigen Onlineangebot.

Interessant ist der Hauptgrund, das Angebot wieder komplett freizugeben. So hätte eine Analyse ergeben, daß die meisten Leser nicht direkt die NYT ansteuerten, sondern über Suchmaschinen und andere Links kamen. Nicht die Existenz der Zeitung ansich zieht Leser an, sondern der freigegebene Content, der auch bei den Suchmaschinen indexiert ist – was wiederum die Zahl der Anzeigenkunden steigen läßt und mehr Einnahmen beschert. Dementsprechend stellt man jetzt nicht nur die aktuelle Zeitung vollständig ins Web, sondern verlinkt auch in das umfangreiche Archiv, das suchmaschinenoptimiert aufbereitet worden ist. Was wiederum die Besucherzahl stark steigen läßt, Google bekommt Millionen neue (optimierte) Seiten und die Werbeeinnahmen (so hofft man) würden sich verdoppeln. Ähnliches soll derzeit Murdoch mit dem Wall Street Journal planen. Kostenpflichtig wird nur eine (zukünftige) Version werden, die mit einer speziellen Software zu lesen ist, dafür aber auch spezielle Features bieten wird.

“In den vergangen zwei Jahren habe sich das Web verändert, argumentiert Nytimes.com-Geschäftsfürherin Schiller im eigenen Blatt: “Wir haben nicht das rasante Wachstum der von Google, Yahoo und einigen anderen kommenden Besuchern erwartet.” Inzwischen würde die Mehrheit der Leser über Links kommen, nur eine Minderheit nutze Nytimes.com als Primärquelle.”(Spiegel Online)

Überflüssig zu erwähnen, daß die deutschen Verlage hier meilenweit hinterherhinken. Statt Inhalte ins Netz zu stellen, begnügt man sich mit uninteressanten Wallawalla-Artikeln aus dem Bereich Vermischtes – die taz und Die Welt ausgenommen – wobei Die Welt nach dem letzten verkorksten Relaunch Übernahmen aus der Printausgabe stark eingeschränkt hat. Abschreckendstes Beispiel ist immer noch der Onlineauftritt der Süddeutschen Zeitung: Hier werden jede Menge Euros mit zweitklassigem Content versenkt – und über Suchmaschinen dürften eher wenige den Weg zur SZ finden: Wo nichts ist, kann auch nichts gesucht/gefunden werden (s.o.). Zwar gibt’s die SZ auch als Bezahlversion im Netz, jedoch hat sich hier nicht nur im Preismodell schwer vertan, sondern auch noch ein System eingekauft, daß das Originallayout liefert, was der schnellen Übersicht zuwiderläuft, benutzerunfreundlich ist und zudem einen gigantischen Overhead erzeugt – ähnlich dem System der Neuen Zürcher. Daß es auch anders geht, zeigt u.a. die Bezahlversion der FAZ, die weiterhin auf HTML setzt.

[Update] Unter dem Titel “Sparen, bis die Leser gehen?” schreibt Götz Hamann in der Zeit zum Thema Zukunft von Zeitungen und übertriebenen Renditeerwartungen der Verleger (darunter neuerdings einigen Heuschrecken) sowie strategischen Fehlern der Printmedien angesichts der Konkurrenz von Online-Angeboten. Einige Plattformen wie Spiegel Online werfen ja inzwischen recht ordentlich Gewinn ab, nur hatte hier der Verlag auch kräftig dafür investiert und einen langen Atem bewiesen – auch gegen diverse Widerstände beim (Print-)Spiegel selbst. Hamann schreibt:

Die Ausgangslage für Verlage, um sich im Überfluss des digitalen Informationszeitalters durchzusetzen, ist nicht schlecht. Längst dominieren die Onlineangebote von Zeitungen, Magazinen wie dem Spiegel und Fernsehsendern das Nachrichtengeschehen im Internet. Wer sich dort informieren will, sucht die alten Marken. Doch nur sehr wenige Verlagsmanager wissen, wie sie auf die Nachfrage antworten sollen. Dies ist der dritte Schritt zur Selbstzerstörung.

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