Filtersoftware auf Client-Seite soll Pflicht werden

Dienstag, 16. Dezember 2008

Auf welch kenntnisfreiem Niveau sich die Befürworter von Internetzensur befinden, zeigt gerade Niedersachsens Innenminister Schünemann. Wie Heise berichtet:

„Nach Meinung von Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sollen Internet-Provider künftig ihre Kunden vertraglich dazu verpflichten, eine Filter-Software zu installieren, die den Zugang zu kinderpornografischen Inhalten blockiert. Er werde die rund 75 Provider in Niedersachsen, die Endkunden versorgen, schriftlich dazu auffordern, die Filterpflicht in neue Verträge aufzunehmen und bestehende entsprechend zu ändern. Die Provider sollen dann erkennen können, ob die Filtersoftware beim Kunden aktiv ist, und diesem andernfalls den Zugang zum Internet verwehren. Im zweiten Schritt will Schünemann den Bund auffordern, entsprechende Änderungen im Telemediengesetz zu prüfen, um die Installation der Filtersoftware bundesweit vorzuschreiben.“

Ersetze das übliche Totschlagargument „Kinderpornographie“ durch irgendetwas anderes, denn was dann genau gefiltert wird, bestimmt anschließend Schünemann & Co. rsp. entsprechend installierte „Arbeitskreise“ ala IWF. Tatsächlich dürfte es sich hier wieder um Forderungen der Medienwirtschaft nach Kontrolle des P2P-Traffics handeln.

Aber wahrscheinlich hält Schünemann „das Internet“ ohnehin für so eine Art Fernsehen. Jeder blamiert sich halt, so gut er kann. Nur hat werter Herr gewiß diverse beamtete Berater, aus dem dieser Unsinn gewachsen sein wird, und das ist das eigentlich Erschreckende. Ebensowenig dürfte unsere Familienministerin, ständig aktiv zum Wohle der Besserverdienenden, sich ihre jüngsten Forderungen nach „Internetfiltern“ selbst aus den Fingern gesaugt haben. Die ominöse Filtersoftware gibt’s wahrscheinlich nur für Windows, läuft ggf. nur auf dem Telekom-Router (den möchte man nicht geschenkt), stammt von den üblichen Verdächtigen und Nutzer anderer Systeme werden als potentiell Kriminelle angesehen. Isses nicht schön.

[Update 15.1.09] Wie zu erwarten war, entpuppen sich die Ministerinnen-Phantasien wieder als laues Lüftchen, s. Heise. Verhinderung des Webzugriffs auf Providerebene auf offenbar altbekannte Seiten – wobei man sich fragt, warum diese nicht längst geschlossen sind, wenn sie so lange bekannt sind. Darüberhinaus ist dieser „Markt“ durch die Kreditkartenaktion des BKA vor einer Weile erfreulicherweise eh längst tot, zumindest hierzulande. Dafür braucht man einen „Gipfel“ der Provider? Vielleicht hat jemand der Ministerin und ihren Beratern in der Zwischenzeit in groben Zügen die Funktionsweise eines Netzes erläutert. Bloß brauchte man nun zwingend irgendein Ergebnis, das schnell irgendwelche „Erfolge“ für die Wahlkampfbroschüre hergibt und nichts kostet. Alles andere ist mühselig, kleinteilig, Ermittlungsarbeit, dauert und läßt sich nicht schlagzeilenträchtig vermarkten. Und kostet auch noch Geld und Personal, Pfui.

Neue OpenBooks kostenlos bei OReilly

Mittwoch, 22. Oktober 2008

DocsPro-Linux.de hat zwei neue Buchausgaben im PDF-Format beim Verlag OReilly entdeckt. Aus der Reihe OpenBooks gibt es zwei neue deutschsprachige Titel zum kostenlosen Download:

  • Praktischer Einstieg in MySQL mit PHP von Sascha Kersken wendet sich vor allem an Webentwickler, die eine MySQL-Datenbank einbinden wollen.
  • Sicherheit im Internet von Krzysztof Janowicz. „Der beste Schutz vor Schädlingen und Angriffsszenarien aber besteht darin, mit einem gesunden Sicherheitsbewusstsein das Internet zu nutzen und die entsprechenden Sicherheitstools effektiv zum Einsatz zu bringen. Hier setzt unser Buch Sicherheit im Internet an und bespricht die gängigen Internet-Dienste unter Sicherheitsaspekten.“

Zum Download rsp. Lektüre empfohlen.

  • Janowicz, K.. (2007). Sicherheit im Internet (3 ed.) OReilly.
    [Bibtex]
    @BOOK{jano07,
    title = {Sicherheit im {I}nternet},
    publisher = {OReilly},
    year = {2007},
    author = {Krzysztof Janowicz},
    series = {OpenBook},
    edition = {3},
    url = {http://www.oreilly.de/german/freebooks/sii3ger/}
    }
  • Kersken, S.. (2007). Praktischer Einstieg in MySQL mit PHP (2 ed.) OReilly.
    [Bibtex]
    @BOOK{kers07,
    title = {Praktischer Einstieg in MySQL mit PHP},
    publisher = {OReilly},
    year = {2007},
    author = {Sascha Kersken},
    series = {OpenBook},
    edition = {2},
    url = {http://www.oreilly.de/german/freebooks/einmysql2ger/}
    }

Nigeria Connection funktioniert immer noch

Montag, 17. März 2008

Nicht zu fassenIch bin der Prinz von Zamundu und habe 20 Millionen Pfund auf einem Konto, an das ich gerade nicht herankomme. Mit Ihrer Hilfe wäre das aber möglich, Ihnen stünde dann eine Provision von 10% zu. Leider fallen vorher ein paar Gebühren an.

Natürlich geht’s nur um den Vorschuß, den man nie wieder sieht. Seit 20 Jahren läuft dieser Unfug der Nigeria Connection und er funktioniert immer noch. Heise zitiert aus einem Bericht der Fa. Ultrascan für das Jahr 2007, nachdem die Verluste dieser Betrügereien allein in Deutschland einen satten dreistelligen Millionenbetrag ausmachen. „Besonders verführbar seien Mediziner mit hohem Selbstvertrauen, wenn der Betrüger suggeriert, dass sie etwas Gutes täten.“ Das dürfte wohl eher eine Mischung aus Blödheit und Gier gewesen sein. „Besonders Akademiker und gut ausgebildete Personen scheinen den Betrügern am schnellsten auf den Leim zu gehen“. Die Korrelation zwischen Schulabschluß und Intelligenz geht also nicht auf. ;-) Was zu beweisen war.

Wer’s noch nicht kennt: Eine nette Galerie zum 419-Scam kann man auf 419 Eater bestaunen. Dort drehte man den Spieß um erbat vom Prinzen ein Photo, wobei der Herr Prinz rsp. einer seiner Untertanen eine bestimmte Haltung einnehmen sollte und sich ein Schild basteln mußte. Die Hall of Shame sorgt für einen bunten Nachmittag.