Raspberry Pi Teil 1 Ressourcen

Dienstag, 01. April 2014

Die Idee zu einem Mini-Computer für Kinder bzw. Schüler entstand 2006 an der Uni Cambridge. Einige Mitarbeiter am dortigen „Computer Laboratory“ waren etwas frustriert über neue (Informatik)Studenten, die in der Schule dank seltsamer Lehrpläne allenfalls Computerkurse zu Word und Excel hatten und höchstens Webseiten erstellen konnten. In den 90er Jahren hatte man es noch mit vielen Hobbyprogrammierern zu tun dank so schöner Hardware wie Commodore64, Amiga und Spectrum ZX etc. An Peek, Poke und Datasette kann ich mich auch noch erinnern sowie seitenlange Listings und später Compiler mit edlen Handbüchern, die sogar Lesebändchen hatten. Der Zugang zu Computern an sich war ein anderer, damals war Schrauben an der Hardware und stundenlanges „Programmieren“ oder vielmehr Gehacke noch üblich, um mehr aus den beschränkten Ressourcen herauszuholen. So kam man ja auch schließlich zu Linux. ;) Die Art des Zugangs zu Computern hatte sich in den 2000er-Jahren jedoch verändert.

Dem wollte man mit der Entwicklung eines kleinen und besonders günstigen Gerätes entgegenwirken, das den Umgang mit Computern wieder „erfahrbar“ machen und auch einfache Programmierumgebungen enthalten sollte. Man hatte an eine Auflage von 2.000 Stück gedacht – bis jetzt wurden mehr als 2 Millionen Pis verkauft, inzwischen getragen von der Raspberry Pi Foundation.

Das Ganze ist verbunden mit geschicktem Marketing: Programmieren macht Spaß und ist weder langweilig noch doof. Und nicht nur für Jungs. Zudem kann man meist die Ergebnisse wie im Chemieunterricht gleich bestaunen. In dem Zusammenhang ist auch die ständige Vorstellung skurriler oder origineller Projekte zu sehen: Neben der Webcam im Vogelhäuschen bis zum Livestream aus der Stratosphäre (Teddybär am Ballon mit eingenähtem Pi samt Webcam) ist inzwischen so ziemlich alles vertreten.

Hardware

Überrascht war man von der großen Resonanz auf den einfachen Zwergcomputer, dabei liegen die Vorteile auf der Hand. Preiswert: Mit ca. 40 Euro für die zigarettenschachtelgroße Platine ist man dabei. Als Festplattenersatz dient eine gewöhnliche SDHC-Karte, die meisten Betriebssysteme – in der Regel ARMv6-Portierungen von Linux-Varianten bekannter Distributionen – laufen dann normal wie ihre großen Brüder auf dem PC von diesem Speichermedium.

Pi Rueckseite

(im Bild sieht man den Sockel für die SDHC-Karte) Zum schnellen Wechsel des Systems tauscht man einfach die SDHC-Karte aus, nachdem man das System zuvor (hoffentlich) sauber heruntergefahren hat. Für Bastler gibt es auf der Vorderseite einen GPIO-Baustein, der als Sockel für zusätzliche Hardware dient.

Pi Vorderseite

Die Ansteuerung der GPIO-Pins ist auch ein beliebtes Thema der Schulprojekte, verwendet wird dabei in der Regel Python. Daneben hat man einen HDMI- und RCA Composite Video-Port für einen Bildschirm, Audioausgang, Anschlüsse für eine spezielle Kamera und einen LCD-Bildschirm (DSI-Port), zwei USB-Ports und einen LAN-Ausgang. Die ersten Modelle wurden noch in China gefertigt, aktuelle Pis kommen von Sony UK in Auftragsfertigung. Diverse Zusatzhardware erhält man inzwischen auch in deutschen Elektronikläden wie Reichelt, eine weitaus größere Auswahl bieten aber englische Shops wie ModMyPi u.a.

An Peripherie benötigt man ein Netzteil mit mindestens 1.000 mA, das den Pi über den MicroUSB-Anschluß mit Strom versorgt. Und da bei Instabilitäten des Pis meist Strommangel schuld ist, sollte man das Netzteil nicht unterdimensionieren und dem Gerät die volle Spannung exklusiv gönnen. Als USB-Hub sollte daher möglichst ein aktiver mit eigener Stromversorgung verwendet werden, an den man dann auch externe Festplatten u.a. anschließen kann.

Betriebssysteme

Um den Pi hat sich eine sehr große Community entwickelt, die eine ganze Menge an Distributionen speziell für den Pi mit ARMv6-Prozessor hervorgebracht hat. Zum Ausprobieren gibt es auf der Downloadseite das Mehrfachsystem NOOBS, das ein Debian Wheezy für den Pi enthält, ein XMBC-Mediacenter (RaspBMC) oder ein RiscOS installiert. Hat man sich für ein System entschieden, sollte man es jedoch einzeln bzw. „regulär“ auf einer weiteren SDHC-Karte installieren – unter Linux verschiebt man das Installations-Image mit „dd“, unter Windows etwa mit Win32DiskImager auf die SDHC-Karte. Danach sind die Systeme bereits lauffähig und müssen lediglich nach dem ersten Start konfiguriert werden. Raspbian/Debian hat dafür z.B. das Tool raspi-config, das im Textmodus menügeführt die Grundeinstellungen vornimmt – vom Hostnamen bis zur Erweiterung der Rootpartition auf der SDHC-Karte.

Die Systeme von der offiziellen Downloadseite, Links gehen direkt zur jeweiligen Projekthomepage:

  • NOOBS enthält die Installationsimages von Raspbian (Debian), Pidora und raspbmc, die man abwechselnd menügeführt zur Probe installieren kann. Direkt auf der Raspberry Pi Downloadseite erhätlich
  • Raspbian (Debian Wheezy) ARM-Portierung, die sich großer Beliebtheit erfreut. Die meisten Serveranwendung sind portiert, GNOME3 etc. wird man schon aufgrund der beschränkten Hardware des Pis nicht installieren wollen.
  • Pidora (Fedora) ist im Moment nur die Portierung von Fedora 18, aktuellere Versionen sind in der Entwicklung und noch nicht freigegeben, man kann jedoch bereits über yum upgraden
  • Arch Linux für ARM
  • RiscOS als kompaktes, schnelles System
  • RaspBMC ist ein XBMC-Mediencenter
  • OpenELEC ist ebenfalls eine XBMC-Distribution

Daneben gibt es eine Reihe an Projekten, die entweder Standard-Distributionen portieren oder spezielle Versionen davon entwickeln:

  • PiBang Linux auf ChrunchBang-Basis mit Openbox als grafischer Umgebung und Systemd, auch in einer Server-Version verfügbar
  • Kali Linux ARM (ehem. Backtrack) macht aus dem Pi ein System zur Überprüfung der Sicherheit des eigenen Netzes bzw. der eigenen Server. Penetration Testing auf dem Pi
  • Berryterminal und Berryboot. Holt online eine etwas ungewöhnliche Auswahl von Pi-Systemen (BBoot), und schiebt diese auf die SD-Karte, läßt sich auch als Thin-Client-System verwenden (BTerminal)
  • piCore TinyCoreLinux für den Pi. Minimal-Distribution, die komplett im RAM läuft in 3 Varianten, u.a. mit SHH und X
  • RaspyFi für Audiophile mit Webinterface
  • schmale Debian-Versionen ohne den Overhead von Edu und X, die für den Eigenbedarf gebaut wurden, wie etwa dieses Raspbian Net Install oder ein „Minimal Raspbian – Server and XFCE editions“. Optional kann man dort über eine Konfigurationsdatei z.B. das Hauptsystem direkt auf einer externen Festplatte installieren und noch weitere Voreinstellungen vornehmen, sodaß auf der SDHC-Karte nur ein minimaler Rest fürs Booten verbleibt. Weitere Versuche dieser Art finden sich in den Raspbian-Sektionen der Foren.

Foren

Eine Fundgrube sind Foren, die sich ausschließlich mit dem Pi befassen. Einmal das Forum bei raspberrypi.org selbst und vor allem das deutsche Raspberry Pi-Forum. Bei Fragen zu spezieller Hard- und Software wird man dort schnell fündig. Besonders zu Server-Anwendungen gibt es besonders im deutschsprachigen Forum viele Threads und Anleitungen, was nicht ganz unwichtig ist, da HowTos zu Standardinstallationen aufgrund der Hardwaregegebenheiten manchmal nicht weiterhelfen. OwnCloud bspw. ist zwar lauffähig, aber solche Ressourcenfresser will man nicht unbedingt auf dem Pi haben.

Dokumentation

Für den Pi gibt es inzwischen reichlich Dokumentation, auch die üblichen PC-Gazetten sind auf den Zug aufgesprungen. Allerdings finde ich deren Beispielanwendungen nicht unbedingt so zwingend. Eine erste Anlaufstelle ist zunächst die offizielle Schnellanleitung von raspberrypi.org sowie die FAQ und die Video-Tutorials, daneben die Dokumentation der jeweiligen Linux-Portierungen (Links s.o.). Recht interessant ist das englischsprachige kostenlose The MagPi und das Pi Weeky Magazin. Deren Twitter-Accounts werden auch intensiv mit neuen Tweets über Dokumentationen, neuer Hardware oder interessanten Projekten versorgt. Literatur zur Python-Programmierung auf dem Pi und diversen Hardware-Basteleien gibt es mittlerweile ebenfalls reichlich, meist englischsprachig.

Nun wird sich der eine oder andere fragen, was man denn damit eigentlich anfangen soll: Kein Interesse an Steuerungen, Webcams im Vogelhäuschen oder Überwachung des Gartens? Das Plüschtier mit PiCam soll auch nicht in den Weltraum geschossen werden?

Mit dem Pi hat man mit gewissen Abstrichen auch einen hervorragenden Homeserver. Damit befassen sich dann die weiteren Teile, die in loser Folge erscheinen sollen: Der Pi als Mailserver mit Dovecot (IMAP/POP3), Postfix und dem Webinterface Roundcube, Streaming Audio(server) von angehängter externer Festplatte (über USB, rendern muß allerdings der Client), Samba, Apache mit PHP und Dokuwiki sowie Baikal als Kalenderserver usw. Dabei gilt es dann abzuwägen, wieviel man dem Pi zumuten kann, ohne übertakten zu müssen (so einiges).

Aus BackTrack wird Kali Linux

Donnerstag, 14. März 2013

Die beliebte Distribution für Penetration Testing und sonstige Sicherheitstests, BackTrack, nennt sich in der aktuellen Release vom 13.3.2013 nun Kali Linux, basiert statt locker auf Ubuntu nun auf Debian und hat GNOME als Desktop.

Laut Release Notes ist es nun einfacher, eigene Versionen des ISOs zu erstellen, zudem ist die Kompatibilität mit dem Debian Repository gegeben und der Updateprozeß soll damit bei fest installierter Distribution zukünftig schmerzfreier verlaufen  (echtes Update statt ständiger Neuinstallation).

Angeboten wird auch eine Version für ARM Prozessoren, sodaß Kali bspw. auch mit dem Rasberry Pi verwendet werden kann. Tests mit Tablets sollen folgen, erwähnt wird etwas das Motorola Xoom.

aptosid-Fork Siduction released

Sonntag, 01. Januar 2012

Das neue Jahr hat kaum begonnen, schon legen zwei der interessantesten Distributionen ein erstes Final Release vor.

Aptosid entstand als Fork von Sidux auf Basis von Debian Unstable (Sid). Grund für den Fork waren diverse Umstimmigkeiten zwischen dem Sidux e.V., der als Organisation die Distribution incl. Ressourcen getragen hat bzw. trägt, und den Entwicklern sowie der Streit um einige Merkwürdigkeiten bei der Verwendung von Geldmitteln. Das aktuelle Aptosid-Release 2011-03 hat einen sehr aktuellen Sync vom 31.12. mit Debian-Sid und enthält dazu tonnenweise Anpassungen, Skripte und ein eigenes Repository, um das Gesamtkunstwerk stabil am Laufen zu halten. Entsprechend empfiehlt sich ein häufiges Systemupdate. Wer sich mit Linux halbwegs auskennt und auch gelegentliche Hänger, die der Aktualität von Debian Unstable geschuldet sind, notfalls selbst flicken kann, erhält mit der Aptosid ein prima System.

Aptosid
Abb.: Aptosid 2011-03 mit KDE. Auf das Bild klicken zur vollen Größe (im neuen Fenster, 1024x768px)

Auch bei Aptosid gab es nach einer Weile Streit, diesmal zwischen den Hauptentwicklern und der Community, der auf relativ unschöne Weise im dortigen Forum ausgetragen wurde und in einem erneuten Fork namen Siduction endete. Ein Blog-Eintrag Warum wir aptosid forken gibt eine kurze Übersicht über die Motivation, die die dortigen Entwickler zu diesem doch sehr arbeitsintensiven Vorhaben trieb, um es mal vorsichtig auszudrücken. Aber „wir sind euer freundlicher aptosid Fork 2011“ (ebd.) hört sich schon einmal sehr gut an! Vielleicht wird deshalb in manchen Firmen nur ungern ein reiner Techniker als Supporter auf die Kunden losgelassen, hier besichtigen wir dann womöglich die Auswirkungen, falls es doch einmal geschieht. ;-)

Siduction
Abb.: Siduction 2011.1 mit KDE. Auf das Bild klicken zur vollen Größe (im neuen Fenster, 1024x768px)

Aptosid released ein kombiniertes i386/amd64-Imgage mit KDE als Standard-Desktop (2 GB ISO) sowie ein schmales 500 MB-ISO mit Xfce 4.8. Siduction hat je nach Architektur getrennte ISOs, dafür jedoch Live-CDs mit LXDE-Desktop sowie DVDs (950 MB-ISOs) mit KDE- und Xfce-Desktop.

Downloadlinks jeweils auf den Projektseiten, wer dafür keine Lust hat, bekommt die gebrannten ISOs als CD-R/DVD-R auch hier im Tuxpost-Shop für jeweils 3 bis 4 Euro zzg. 2 Euro Versandpauschale: Aptosid und Siduction auf Verbatim-DVD-Rs.