LaTeX ist zwar in erster Linie “out of the box” vorwiegend für den Satz von Büchern und längeren Schriftwerken im “klassischen” Stil geeignet. Für kompliziertere Layoutaufgaben wird gern auf die TeX-Erweiterung ConTeXt verwiesen. Die Dokumentklasse paperTeX von Ignacio Llopin bietet die Möglichkeit, auch mit LaTeX eine (kleinere) Zeitschrift ansprechend zu gestalten, ohne mit größerem Aufwand in die Tiefen des TeX-Systems gehen zu müssen. paperTeX bietet zudem eine Fülle von definierbaren Optionen, sodaß man das Endergebnis gut an die eigenen Vorstellungen anpassen kann.
So läßt sich optional eine Titelseite gestalten mit Artikelvorschau, kleinem Inhaltsverzeichnis, definierbarem Logo und einem Block „Wettervorhersage“ mit entsprechenden Grafiken, den man wohl für andere Zwecke mißbrauchen wird. Beim paperTeX-Autor kommt die Klasse in Verbindung mit einem Perlskript zum Einsatz, das die Inhalte aus einer Datenbank zieht, womit auch die Generierung von Newslettern “on the fly” in Blogs oder sonstigen CMS-Systemen möglich ist. Dieses Wunderwerk liegt dem Paket leider nicht bei…
Die Artikel selbst lassen sich wahlweise auch mehrspaltig setzen mit Grafiken oder eingestreuten Blöcken – ein Beispiel, das dem Paket als PDF beiliegt (s. Bild rechts), zeigt eine schöne Übersicht der Möglichkeiten. Einschränkend sei gesagt, daß bei Verwendung von Grafiken und Zwischenüberschriften bei mehrspaltigem Satz wie üblich die Registerhaltigkeit flöten geht.
jPicEdt ist ein auf Java basierendes Vektor-Zeichenprogramm, das vornehmlich auf der Picture-Umgebung aufsetzt und als Output eine fertige Picture-Umgebung produziert, die in eine LaTeX-Datei eingebunden werden kann.
The LaTeX picture environment is a special environment for inserting simple drawing commands into a LaTeX file. This environment was obviously not intented to replace more sophisticated graphical formats such as Postscript or PDF (and their associated design tools: Adobe Illustrator, Macromedia Freehand,…), but was merely aimed at easily incorporating small and simple drawings (e.g. graphs, electrical schematics,…)
Yet picture commands are flexible enough to allow one to build rather complicated drawings, including circles, rectangles, lines and vectors, bezier splines.
Besides, using epic/eepic or PsTricks packages largely increases the set of available commands, and amongst other things, allows for shape-filling (and colours with PsTricks) and a better rendering of shapes.
Durch die Picture-Umgebung läßt sich auch mehr oder weniger einfach Text und, falls man das braucht, mathematische Ausdrücke in die Zeichnung einfügen. Der umgekehrte Weg ist ebenfalls (in Grenzen) möglich – JPicEdt parst LaTeX-Quelldateien und importiert darin enthaltene Picture- (nicht pspicture-) Umgebungen. Enthalten sind bereits diverse Zeichensymbole für Schaltungen, Organigramme etc. Ob der (re-)Import selbstproduzierter Picture-Umgebungen funktioniert, kommt immer auf den Versuch an, im Zweifelsfall muß man etwas nachhelfen… Die aktuelle 1.4.1 hat etwas Schwierigkeiten selbst beim Import eigener Picture-Umgebungen.
“Online-Bibliographien nutzen mit BibTeX” ist ein Artikel von Jürgen Fenn in der aktuellen Mitgliederzeitschrift “Die TeXnische Komödie” des Vereins Dante e.V., der in die Nutzung von Online-Bibliographien und -Katalogen einführt, die einen Output im BibTeX-Format zur Verfügung stellen. Praktischerweise braucht man in diesen Fällen nicht mehr selbst alles mühsam ins BibTeX-Frontend oder händisch in die lokale Bib-Datei eintippen, sondern übernimmt direkt den Datensatz (u.U. mit etwas Nachbearbeitung). Nutzer von Endnote werden jetzt gelangweilt aufstöhnen, aber nicht jeder kommt an verbilligte “Studenten-Versionen” heran oder ist ein Schwager von Onassis. Und so besonders viele deutsche Bibliotheken, mit denen Endnote etwas anfangen kann, gibt’s ja auch nicht.
Da die Vereinszeitschrift naturgemäß nicht online ist, kurz die Highlights des Artikels, soweit für Nicht-Naturwissenschaftler relevant:
Was gibt’s noch in der Komödie 4/2006? Einen langen Artikel “Übersicht freier Mathematikfonts für TeX und LaTeX” von Stephen Hartke (übersetzt von Martin Sievers, den englischsprachigen Originalartikel aus “The PracTeX Journal” gibt es hier), was es mit dem “Achtelgeviertstrich” auf sich hat erklärt Jan Weichold und Rolf Niepraschk hat Tipps und Tricks unter anderem zum Setzen von Tabulatoren parat.
Abschließend die Auflösung des Rätsels “Wer ist Dante e.V.“: Die Deutschsprachige Anwendervereinigung TeX e.V. Obige Hinweise sind entnommen aus der aktuellen Mitgliederzeitschrift 4/2006. Mitglied werden kann jeder, die Kosten liegen z.Zt. bei 40 Euro jährlich für Privatpersonen. Im Mitgliedspreis inbegriffen ist u.a. die viermal jährlich erscheinende Mitgliederzeitschrift “Die TeXnische Komödie“. Muß man da Mitglied werden? Im Prinzip nicht, aber besser ist es schon… Die Infrastruktur rund um TeX (CTAN, TeX-Projektförderung pp.) gibt’s nicht umsonst.
@ARTICLE{ fenn06,
author = {J{\"u}rgen Fenn},
title = {Online-Bibliographien nutzen mit BiBTeX},
journal = {Die TeXnische Kom{\"o}die},
year = {2006},
volume = {4},
pages = {40--46}
}
Thousands of TeX fonts at your fingertips von Michael Stutz ist ein Artikel auf Linux.com, der zeigt, wie man eine Liste aller installierten Schriften unter teTeX bekommt, wie man mit testfont.tex kurze Schriftbeispiele erzeugt, welche sonstigen Optionen noch zur Verfügung stehen und wie man mit fontchart.tex ausführlichere Beispiele der gewünschten Schriftart generiert.
Das Kommando zur Ermittlung aller installierten TeX-Schriften ist übrigens eine schöne Mischung aus find- und sed-Optionen, man kann es unter obigem Link nachlesen und es wird hier auch nicht verraten. ;)
Einen Flyer kann man auf verschiedene Arten herstellen. Diverse Layoutprogramme haben Vorlagen für sechsseitige Faltblätter dabei, auf denen man mehr oder weniger komfortabel so etwas gestalten kann. Die Probleme fangen dann an, wenn man beispielsweise größere Listen und Tabellen in einem Flyer unterbringen muß für lange Speisekarten oder Preislisten. Gab’s sowas nicht auch für LaTeX? Wie hieß das Paket bloß noch?
Erste Anlaufstelle zur Suche nach Makropaketen ist The TeX Catalogue Online. Das ist eine riesige Liste der (in der Regel) auf dem CTAN-Server verfügbaren Pakete – nach Themen gruppiert oder alphabetisch sortiert mit Schlagworten, Beschreibungen und den jeweiligen Autoren. Über eine Volltextsuche kann man sich die Trefferliste anzeigen lassen und wird unter dem Suchwort “Flyer” auch fündig: Das Paket dafür hieß “leaflet”.
Leaflet, eine Dokumentenklasse der beliebten Autoren Niepraschk, Schmidt und Gäßlein, erstellt ein Dokument von bis zu 6 schmalen Seiten und arrangiert diese auf zwei A4- oder A3-Seiten, sodaß man bei doppelseitigem Druck als Ergebnis das gewünschte Faltblatt bekommt.
Die kurze Dokumentation zu leaflet kommt bereits im Layout eines Flyers daher mit Schnittmarken und Seitenhintergründen, sodaß man den Quelltext sehr schön für erste Experimente verwenden kann. Aufgrund der Verwendung von graphicx und color wählen wir gleich die PDF-Ausgabe und kompilieren mit pdfTeX.
Das Ergebnis ist der benötigte Flyer für den Linux-Shop – das ist ausnahmsweise keine Schleichwerbung, sondern dient hier nur als praktisches Beispiel… Das Telefonsymbol auf der Titelseite stammt übrigens aus dem pifont-Paket, das wir mit \usepackage{pifont} einbinden und das Telefon mit \ding{37} an der gewünschten Stelle einfügen. Frei nach Halmackenreuther (oder Mackhallenreuther?): “Einfach schick!”
Grafiken lassen sich übrigens auf jeder Seite punktgenau platzieren, im Falle des Pinguins auf der Titelseite wurde dazu mit dem Befehl \AddToBackground experimentiert.
Der nächste Schritt wäre eine schönere Tabellengestaltung und andere Einzüge, was aber ein anderes Thema ist.
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