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Berliner Industriedenkmale: Straßenbahn-Betriebshof V in Tempelhof

Autor: Thomas Schramm am 31. Januar 2020 @ 18:17 unter Berlin | Keine Kommentare

Was heute im Erdgeschoß einen Edeka-Laden beherbergt und von außen aussieht wie einer der gehobeneren BSR-Betriebshöfe, entstand 1923 eigentlich als „Betriebshof V“ der Berliner Straßenbahn in der Friedrich-Willhelm-Straße. An diesem Ort war es bereits der dritte Bau mit dieser Zweckbestimmung: 1875 entstand die erste Halle für die Pferde-Eisenbahn vom Dönhoffplatz (Berlin) nach Tempelhof, 1888 wurden dort 204 Pferde und 42 Straßenbahnwagen untergebracht. Nach einem Brand 1898, der die erste Halle zerstörte, entstand ein zweiter Bau, der bereits die Erfordernisse der elektrischen Straßenbahn berücksichtigte.

Nach der Fusion der Straßenbahngesellschaften Anfang der 1920er Jahre begann man mit dem Bau neuer Betriebshöfe und dem Aus- und Umbau bestehender Hallen. So wurde 1923 der zweite Bau des Betriebshofs abgerissen und mit einem Neubau der Architekt Jean Krämer [1] betraut – neben Mies van der Rohe und Walter Gropius ein Schüler des Architekten Peter Behrens [2], der als Vorreiter der sachlichen Architektur und des Industriedesigns gilt. Krämer entwarf in den 1920er Jahren neben diversen Industrie- und Wohngebäuden u.a. zahlreiche Berliner Straßenbahn-Betriebshöfe und wurde deshalb häufig als „Hausarchitekt der Berliner Straßenbahn“ bezeichnet. Er gestaltete auch 1924 den bekannten Verkehrsturm am Pots­damer Platz, dessen Vorbild die Ampeltürme in den USA war.

Für die Berliner Straßenbahn entwarf das Büro Krämer ein Konstrukt aus stützfreien Hallen mit gewaltigen, vollwandigen Stahlbindern.

Strassenbahndepot

An den Längsseiten setzte man verglaste Dachgauben zur Belichtung ein, die sich an den Stahlbögen kielbogenartig nach oben wölben, damit das Licht von allen Seiten einfallen kann. In den schmalen Seitenschiffen wurden Werkstätten untergebracht, die Haupthalle beschreibt einen spitz zulaufenden Tudorbogen. Die Rückseite der Halle ist in die Miethausbebauung der Friedrich-Willhelm-Straße in­te­griert. Die Halle mit 16 Ein­gangs­toren bot Platz für die Reparatur, Reinigung und Wartung von bis zu 100 Straßen­bahn­fahrzeugen. Da auch Teile des ehemaligen Vorhofes für den Bau genutzt wurde, fanden Rangierarbeiten aus Platzgründen auf der Straße statt.

Mit der Stillegung der Linien nach Mariendorf und Lichterfelde im Jahr 1961 wurde der Betriebshof von der BVG geschlossen und bis Mitte der 1990er Jahre für die eigene Fahrbereitschaft genutzt. Der an der Kaiserin-Augusta-Straße ge­legene Vorhof wurde 1972 bebaut, 1995 der ge­sam­te Bau unter Denkmalschutz gestellt, 1997/98 in eine Markt­halle umgebaut und ein Parkdeck eingezogen.

Strassenbahndepot

Die mächtige Stahlkonstruktion des Daches kann man heute ausgiebig vom Parkdeck aus betrachten.

Strassenbahndepot Pfeiler

Beim Ausgang zur Edeka-Markthalle sieht man die Verankerung eines der Stahlträger. Vgl. auch den Eintrag in der Denkmaldatenbank [3] des Landesdenkmalamts Berlin.


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[1] Jean Krämer: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Krämer

[2] Peter Behrens: https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Behrens

[3] Denkmaldatenbank: https://www.stadtentwicklung.berlin.de/denkmal/liste_karte_datenbank/de/denkmaldatenbank/daobj.php?obj_dok_nr=09075208