Schultheiss-Mälzerei und Hauptstadt-Rotbarsch

Donnerstag, 07. November 2019

„Darren“ nennt man die riesigen Schlote aus Beton auf dem Dach einer Mälzerei, einer Anlage zur Herstellung von Malz für Brauereien. Im Bild ist die ehemalige Schulheiss-Mälzerei in Berlin-Schöneberg in der Bessemerstraße. 1913-15 in der damals für Brauereien typischen massiven Ziegelbauweise errichtet, war der burgähnliche Komplex einst die größte Anlage zur industriellen Massenproduktion von Malz in Europa.

Eine Art Erkennungsmarke für das Schöneberger Industriegebiet (nahe Ikea) sind die vier Darrschlote auf dem Dach der Mälzerei, die der Trocknung des Malzes dienten. An der Spitze befinden sich jeweils zwei Tonnen schwere Darrhauben mit Windblechen, die an alte Ritterhelme erinnern – eine Konstruktion, die um 1900 von der Kulmbacher Schlosserei Dörnhöfer entwickelt wurde und bis in die 1950er Jahre weltweit viele Mälzereien säumte. Die Hauben richten sich je nach Windrichtung eigenständig aus und sorgen so für einen ständigen Luftzug im Inneren des Gebäudes.

Die Schulheiss-Mälzerei war noch bis Mitte der 1990er Jahre in Betrieb. Bis heute ist die Fabrik weitgehend im Originalzustand erhalten.

Etwas schwierig war die Umnutzung dieses großen Fabrikgebäudes. Seit 2008 liegt das Geschäftsmodell eines schweizer Investors in der Ansiedlung von Firmen mit dem Schwerpunkt nachhaltigen Wirtschaftens. So kommt es, daß der „Hauptstadt-Rotbarsch“ von einer Fischfarm im hinteren Teil des Geländes stammt. In einem Kreislauf düngen die Ausscheidungen der Fische das weiter vorn in Treibhäusern gezogene „Hauptstadt-Basilikum“ und machen den Einsatz von Dünger überflüssig. Die Fischfarm mit angeschlossener Pflanzenproduktion ist die Referenzanlage eines Projekts aus dem Bereich Aquaponik, das die Kreisläufe aus der Fisch- und Pflanzenproduktion miteinander verbindet. Herz der Anlage ist eine ausgefeilte Regeltechnik, die beide Kreisläufe verbindet und steuert. Regelmässig werden auch Führungen durch die Anlage veranstaltet, das Projekt freut sich sehr über Interessenten.

Das Gelände der Mälzerei selbst ist werktags frei begehbar.

Artikel vom Donnerstag, 07. November 2019, 03:46 Uhr in der Kategorie Berlin. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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