Die Berliner Rechenmaschinenfabrik Ludwig Spitz & Co

Donnerstag, 07. November 2019

Im Kreuzberger „Puttkamerhof“ in der Puttkamerstraße gründeten der Ingenieur Ludwig Spitz und der Techniker Robert Rein 1907 die Ludwig Spitz & Co. zur Produktion und zum Vertrieb von mechanischen Rechenmaschinen. Die TIM- (Time Is Money) und UNITAS-Maschinen waren zunächst sehr erfolgreich, man gründete noch vor dem Ersten Weltkrieg Vertriebsfilialen in New York, Wien und Paris.

Spitz ging 1910 in seine Vaterstadt Wien zurück und gründete dort eine Handelsgesellschaft mit Alleinvertriebs-Vertrag für die Berliner Firma: Von Wien aus wurde der Verkauf der gesamten Berliner Produktion von Spitz & Co. organisiert. In den ersten sieben Jahren konnte man 6000 Maschinen verkaufen und erzielte einen Umsatz von mehreren Millionen Mark. 1924 bezog man eigene Fabrikräume in der Schöneberger Eresburgstraße gegenüber der Schultheiss-Mälzerei.

Ludwig Spitz Fabrikgebaeude

Während die Konkurrenz stark aufgeholt hatte und auf kleine, leichte Rechenmaschinen setzte, stagnierte die technische Entwicklung bei Spitz & Co, und für die Serienfertigung neuer innovativer Geräte fand man wohl keine Geldgeber.[1]

Jedoch waren die Geräte offenbar so fortschrittlich, daß sie sich zunächst noch – technisch weitgehend unverändert – einige Jahre lang verkaufen ließen. So produzierte man bis Anfang der 1930er Jahre weiter technisch robuste, aber nicht mehr ganz moderne Geräte. Danach folgte eine zeitweise Stilllegung, ab 1934 auch die Vermietung der Produktionsräume.

Nach dem „Anschluß“ Österreichs wurden auch dort die „Nürnberger Rassengesetze“ und deren Fortführungen angewendet. Und ab hier wird die Geschichte lückenhaft und die Quellenlage dünn, man ist auf Indizien angewiesen.[2] Der jüdische Inhaber Spitz wurde 1939 wahrscheinlich genötigt, sich von seiner Frau zwangsscheiden zu lassen. Seine Wiener Firma annoncierte nun unter dem Namen „Ludwig Spitz & Co, Nachfolger“, was auf einen größeren Umbau hindeutet. Weitgehend verarmt, wurde Spitz 1942 ins Ghetto Riga deportiert. Dort verliert sich die Spur. 1949 wurde er von seiner Frau für tot erklärt.

Unter neuen Eigentümern verschwand 1942 der Name Ludwig Spitz bei der Berliner Firma endgültig. Wer die neuen Eigentümer waren, ist nicht klar. Das Unternehmen firmierte nun unter dem Namen „TIM-UNITAS Gesellschaft“ und betrieb Metallverarbeitung, daneben vermietete man wieder Produktionsräume. Mit dem Konkursverfahren 1982 fand die Unternehmensgeschichte schliesslich ihr Ende. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird heute von diversen Gewerben genutzt.

Wer sich näher für die Firmengeschichte und vor allem die Rechenmaschinen von Spitz & Co. interessiert, wird in den beiden Quellennachweisen fündig, beide Artikel stehen zum privaten Gebrauch auf rechnerlexikon.de als PDF online, URL siehe BibTeX-Eintrag.

[1] Anthes, E., & Reese, M.. (2015). Die Firma Ludwig Spitz & Co Berlin. Historische Bürowelt(100), 3-14.
[Bibtex]
@Article{anthes2015,
author = {Erhard Anthes and Martin Reese},
title = {Die Firma Ludwig Spitz \& Co Berlin},
journal = {Historische Bürowelt},
year = {2015},
number = {100},
pages = {3-14},
url = {http://www.rechnerlexikon.de/artikel/Anthes/Reese_2015},
}
[2] Reese, M., & Waldbauer, H.. (2018). Ludwig Spitz. Historische Bürowelt(114), 18-20.
[Bibtex]
@Article{reese2018,
author = {Martin Reese and Helmut Waldbauer},
title = {Ludwig Spitz},
journal = {Historische Bürowelt},
year = {2018},
number = {114},
pages = {18-20},
url = {http://www.rechnerlexikon.de/artikel/Reese/Waldbauer_2018},
}
Artikel vom Donnerstag, 07. November 2019, 17:16 Uhr in der Kategorie Berlin. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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