Zustellverzögerungen bei der Post

Dienstag, 25. November 2008

Nachdem die Berliner Zeitung aufgrund von Leserbeschwerden zu den anhalten Verzögerungen beim Zustelldienst der Post eine kleine Serie startete, hat es das Thema inzwischen auch in die Tagesthemen der ARD geschafft. Die Reaktion des für Berlin Verantwortlichen in einem Interview mit der Berliner Zeitung war so ähnlich wie die Erklärungen des Postmenschen in den Tagesthemen vom 24.11.: Abwiegeln, alles nur Einzelfälle, punktuelle Schwachstellen, sonst alles Bestens. Nach dem grotesken Interview druckte die Berliner Zeitung noch einmal seitenlang Leserzuschriften ab mit den haarsträubensten „Einzelfällen“.

Nach Logik der Post muß die Potsdamer Straße in Berlin-Schöneberg, mit einer Mischung aus Gewerbe und Wohnungen nicht gerade dünn besiedelt, einer dieser Einzelfälle sein – und das seit Monaten. Briefe in den westdeutschen Raum kommen tatsächlich am nächsten Tag an. In umgekehrter Richtung dauert es in der Regel zwei Tage, drei Tage sind auch nicht ungewöhnlich, 4 Tage kamen auch schon vor. Auffällig ist, daß Zusteller häufig wechseln und Neue zwischen Vorder- und Hinterhaus sowie den Seitenflügeln eher umherirren. Entsprechend lang dauert dann deren Schicht, und nach einer festgelegten Zeitspanne ist Feierabend. Was liegen bleibt, wird am nächsten Tag ausgetragen – sofern dann der Nachfolger den Eingang zum Vorderhaus findet (dort werden die übriggebliebenen Briefe abgelegt…) – sonst geht das Spiel wieder von vorn los. Laut Gewerkschaft sind dies die Auswirkungen der „Kostenrechner“ in der Verwaltung, die hier einen ganzen Betriebsbereich systematisch vor die Wand fahren. Daß Zustelltouren am schwarzen Brett rsp. am Computer ohne Kenntnis der Ortslage geplant werden, war ja schon länger bekannt. Das jetzige Chaos ist jedoch neu.

Früher war hier die dreisteste Ausrede, wenn Samstags kein Zusteller kam, daß Geschäftskunden am Samstag gar keine Post bräuchten. Heute wird schlicht abgestritten, daß es ein strukturelles Problem gäbe und man redet sich auf „Einzelfälle“ heraus. Man kennt das aus Marketingseminaren – weiß ist schwarz und der Kühlschrank eine Waschmaschine. Inzwischen nennt sich auch die letzte Klitsche Logistikcenter und ist immer gut aufgestellt. Cool. Wenn nur die doofen Kunden nicht wären.

[Update] Zeichen und Wunder: Zwei Briefe, am Freitag im westdeutschen Raum abgeschickt, trafen am nächsten Tag bereits ein und wurden sogar an einem Samstag zugestellt. Macht die reguläre Zustellerin wieder ihre alte Route? ;) Glückwunsch, geht doch, weiter so.

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Artikel vom Dienstag, 25. November 2008, 01:22 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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