Gemetzel unter den Printmedien

Freitag, 07. November 2008

In der Neuen Zürcher gibt Heribert Seifert einen Überblick, wie Zeitungsverlage im Moment weltweit auf den Anzeigenrückgang und Auflagenschwund reagieren: Mit Auslagerung von Bereichen, Entlassungen, Schließung von Korrespondentenbüros, Reduzierung des Umfangs und Entlassungswellen. Man macht im Prinzip so weiter wie bisher, nur beschleunigt sich dieser Trend durch die „Finanzkrise“. Eine Strategie, wie man jenseits der Fokussierung auf den Printbereich etwa mit Online-Ausgaben oder „Merchandising“ ala Süddeutsche Zeitung Geld verdienen kann, hat kaum jemand. Interessant in diesem Zusammenhang ist der Absatz über die britische Heuschrecke Mecom, die in Deutschland u.a. die Berliner Zeitung übernommen und dort für verbrannte Erde gesorgt hat. Dazu gab es im Blog bereits hier und hier Artikel.

„Die Mecom-Verlagsgruppe britischer Finanzinvestoren, die in den letzten Jahren zahlreiche Zeitungen in Europa aufgekauft und mit Hilfe rigider Sparprogramme zu renditestarken, aber publizistisch ausgezehrten Anlageobjekten zu machen versucht hat, steht vor einem Trümmerhaufen. Die Gruppe, zu der in Deutschland unter anderem die „Berliner Zeitung“ gehört, gab bekannt, dass die Schulden eine neue Rekordhöhe erreicht haben.“ (NZZ)

Das Geschäftsprinzip sieht bei denen so aus, daß man mit eingesammelten Geldern und Krediten einen Betrieb aufkauft und ihm anschließend die durch den Kreditkauf angesammelten Schulden aufbürdet. Damit sich das für die Heuschrecke lohnt, muß der Betrieb danach eine Phantasierendite von über 20 Prozent abwerfen – wie im Falle Mecom – und zum anderen darf der übernommene Betrieb an die Heuschrecke eine überzogene Ausschüttung vornehmen. Hier beginnt dann die klassische Ausplünderung. Leider schreibt Seifert nicht, ob sich die Rekordschulden auf den Verlag der Berliner Zeitung oder den Investor Mecom selbst beziehen – ich hoffe auf Letzteres. Der Artikel ist online, Link s.o.

In der FAZ vom 8.11. schreibt Michael Hanfeld über die Heuschrecken Permira und KKR, die gegenwärtig Pro Sieben Sat1 nach obigem Schema ausplündern: „So wie David Montgomery mit seiner Mecom den Berliner Verlag ausradiert, wüten KKR und Permira bei Pro Sieben Sat.1. Die Finanzinvestoren beweisen zuallererst selbst, dass sie zu Medienunternehmern und Verlegern nicht taugen.“

Artikel vom Freitag, 07. November 2008, 16:22 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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