Schirrmachers Doppelgänger

Donnerstag, 18. September 2008

Es gibt bei der FAZ ganz offensichtlich zwei Schirrmachers. Der eine jubelt lächerlicherweise  Schmonzetten von Cruise und Eichinger hoch, daß Fremdschämen stark im Kommen ist. Der andere schreibt Leitartikel im Feuilleton, die richtig gut sind. FAZ von heute, 18.9., über „Das Zeitalter des Unglücks“, wie uns „die Politik“ den Zwang des Ökonomischen als Doktrin (jaja, die „Globalisierung als Chance zum individuellen Glück“…) und vor allem als „alternativlos“ verkaufte und dabei die „Selbstzerstörung des sozialen Wohlfahrtsdiskurses der Gesellschaft“ einleitete.

„Es ging in all den Talkshows und Reden nie darum, einen Zukunftsentwurf von verbindender Kraft zu verwirklichen, sondern ein Triebverlangen abzureagieren, in dem Eitelkeit und messianische Sendung, hemmungslose Idealisierung der globalisierten Rationalität bei gleichzeitiger emotionaler Bevormundung einer ganzen Nation („Risiken eingehen!“) eine Horror-Ehe eingingen. Die Ergebnisse sind nicht fiktiv, sie liegen vor Augen: Demoralisierung der nachwachsenden Generation, Zerstörung der Universitäten und Bildungsgänge, Zerstückelung von Biographien, Betrug über Alterssicherheit und Rente und so weiter – kurzum: Bedrohung oder Vernichtung des traditionellen Lebenszyklus in fast allen seinen Details.“

Der Artikel ist online hier nachzulesen. Da ist es nur konsequent, wenn die Protagonisten dieser Politik nun den Grüßaugust bei Gazprom, der Energiewirtschaft, Banken usw. spielen und mal so richtig Kasse machen, während sie für den Rest verbrannte Erde hinterlassen haben. Diejenigen, die noch administrativ oder in politischer Funktion eingebunden sind, entdecken plötzlich dank wegbrechender Wählerschaft wieder das Thema „soziale Gerechtigkeit“, was nur umso alberner wirkt und ihnen, wie Umfragen zeigen, keiner mehr abnimmt. Das erinnert eher an „Haltet den Dieb“ oder „Herr Ober, jemand hat mir in die Hose geschis*en“.

Tags: | Drucken Drucken
Artikel vom Donnerstag, 18. September 2008, 14:32 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

«  –  »

Keine Kommentare »

No comments yet.

Leave a comment