Berliner Zeitung: Neues vom Finanzinvestor

Mittwoch, 16. Juli 2008

Die Mecom-Holding als Besitzer des Berliner Verlags streicht weiter bei der Berliner Zeitung, neben Personalkürzungen wird jetzt wird auch inhaltlich ausgedünnt. So ist man auf die Schnapsidee gekommen, die Medienseite einzusparen und durch den üblichen Wallawalla-Service zu ersetzen, der einen auch in anderen Billig-Gazetten anödet: Produziert von Agenturen, der ganze Bereich wird „outgecourced“. Zugleich beseitigt man eine Rubrik, in der auch die Mecom selbst zum Thema gemacht wurde – wie praktisch. „Monty haßt Medienseiten“ titelt heute die taz. Wie üblich werden Medienthemen dann wie vor 10 Jahren auf die Rubriken Feuilleton, Wirtschaft und womöglich Vermischtes aufgeteilt, wo man thematisch eher den umgekehrten Weg gehen müßte: Statt die Medienseite abzubauen müßte man sie eher erweitern, schließlich lassen sich „Multimedia“, Online, Nachrichten aus dem Print-Bereich und Verwandtes nicht in verschiedene Kategorieren auseinanderfieseln, da sie immer stärker zusammenwachsen und einander bedingen. So richtig hat man das mit den „neuen Medien“ in der Leitung also nicht verstanden. Warum auch, kostet ja das Geld des Rentenfonds, der endlich Cash sehen will. Ganz zu schweigen vom neuen EDV-Redaktionssystem, das gibt’s ja auch nicht. Kostet.

Dazu paßt auch, daß die Online-Aktivitäten nicht ausgebaut werden sollen, was wiederum nichts Gutes für die paar Leute bedeutet, die noch die Netzeitung mit etwas Content füttern.

Auf welch geistigem Niveau sich die Mecom-Statthalter bewegen, kolportiert die Frankfurter Rundschau über eine Redaktionskonferenz vor ein paar Tagen: „Sein (Depenbrocks, Anm.) Stellvertreter Oliver Tom Röhricht soll dem Chef beigesprungen sein, ist zu hören. Er habe den überflüssigen Luxus einer Medienseite unter anderem mit einem Text in einer der jüngsten Ausgaben des Blattes begründet, der Meldung von Claus Strunz‘ Wechsel von der Bild am Sonntag zum Hamburger Abendblatt: Sowas wie dieser „riesige Text“ interessiere doch keinen. Röhricht muss es wissen. Er war selbst einmal bei der BamS.“

Bei solchen Experten in der Chefredaktion wundert dann nichts mehr. Etwas mehr dazu hat noch die taz, hier im Blog standen noch ein paar Links zur geplanten Entlassungswelle.

Artikel vom Mittwoch, 16. Juli 2008, 12:15 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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