Kultur in der Zeit

Donnerstag, 19. Juni 2008

Wenn Online-Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften einen „Relaunch“ ankündigen, darf man das getrost als Drohung auffassen. Der Auftritt der Zeit im Netz war zwar immer verbesserungsbedürftig rsp. unübersichtlich, jedoch fand sich wenigstens immer ein versteckter Link auf die Inhaltsübersicht der gedruckten Ausgabe. Diese Inhalte sind aber inzwischen so geheim, daß man sie nach dem Relaunch der Website dem Interessenten vorenthält. Stattdessen dudelt eine Flashanimation vor sich hin, die mit dem Herrn Steinmeier für die gedruckte Ausgabe wirbt, „bestellen Sie Ihr Testabo jetzt“. Was an der Tante Zeit noch interessant war, waren die Kulturseiten – gelegentlich gab es sogar Übernahmen relevanter Beiträge in die Online-Ausgabe. Die Kultur ist jetzt in der Online-Ausgabe ganz ans Ende der Übersicht gerutscht und firmiert knapp vor den Wallawalla-Themen, mit denen die Süddeutsche Online meist ihre Leser beglückt. Und dort warten dann, neben wenigen aktuellen Beiträgen, steinalte Artikel auf Leser.

Der Perlentaucher zitierte neulich einen Herrn der Süddeutschen, der sich mächtig über Google aufregte, da der Online-Auftritt der „Welt“ so viel höher gewichtet würde als der Onlinekäse der Süddeutschen und der durch das hohe Ranking auch mehr Leser anzieht. Des Rätsels Lösung ist schlicht, daß die Welt erheblich größere Teile der Printausgabe online stellt als bspw. die Süddeutsche. So ganz scheint man es im Süden mit dem Geldverdienen „im Internet“ und dem Netz als solchem noch nicht ganz verstanden zu haben. Bevor man den Lesern mit B-Content die Zeit stiehlt, kann man den Onlineauftritt auch ganz zumachen, spart jede Menge Geld und wartet auf Käufer, die die Phantasiepreise für die Printausgaben noch zu zahlen bereit sind.

Artikel vom Donnerstag, 19. Juni 2008, 15:42 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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