Briten wollen Fingerabdrücke von Grigorij Sokolow

Dienstag, 22. April 2008

Der russische Pianist Grigorij Sokolow ist eine der ganz großen Nummern im klassischen Musikbetrieb. Sokolow spielt dabei wenig Platten ein und tritt lieber live auf – mit der schönen Folge, daß es von Sokolow-Konzerten diverse Bootleg-CDs gibt und sich die Anzahl „offizieller“ CDs in überschaubaren Grenzen hält. Also eher ein Horror für die Plattenfirma, was den Mann aber nicht nur dadurch extrem sympathisch macht. Ein Sokolow-Konzert ist folglich einer der großen „Events“ und von entsprechendem Bohei begleitet.

Daß „New Labour“ im Überwachungswahn inzwischen die Freunde jenseits des Atlantiks übertrifft, ist ja bekannt. Sokolow sollte nun für Konzerte in England und Schottland ein Visum beantragen, was ja nicht so gänzlich ungewöhnlich ist. Nach einem neuen britischen Gesetz ist dafür jedoch ein Visum mit biometrischen Angaben nötig, das u.a. die Fingerabdrücke des Einreisenden enthält. Sokolow sollte nun die zuständige Botschaft aufsuchen und dort seine Fingerabdrücke abgeben. Wodurch der inzwischen in Verona lebende Künstler schwer beleidigt war – weniger vom Phantasiepreis von 99 Pfund für die Erstellung des Visums als wegen der Schwachsinnigkeit des Ansinnens. Die Konzerte in Großbritannien sind daher bis auf weiteres abgesagt.

Artikel vom Dienstag, 22. April 2008, 14:37 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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