Statistik macht Spaß mit Müntefering

Freitag, 12. Oktober 2007

Große Erfolge zeitigt die Agenda 2010 allerorten: Selbst ältere Arbeitslose werden wieder vom Fleck weg engagiert. Daß die Bundesanstalt selbst nur sagen kann, daß weniger Über-50jähre bei ihnen in der offiziellen Statistik geführt werden, ist der kleine, aber feine Unterschied, der in den Jubelarien weggelassen wird. Ändere ich die Berechnungsgrundlage oder weise diese nicht aus, komme ich zu den abstrusesten Ergebnissen. Nicht mehr geführt werden Arbeitslose in 1-Euro-Jobs (Hartz4 mit Mehraufwandsentschädigung von max. 160 Euro), Teilnehmer in zweiwöchigen „Fortbildungen“ wie „Bewerbungstraining“, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und diversen Veranstaltungen wie Praktika etc. Wenn man nun bei einer Zielgruppe den Maßnahmenkatalog ausbaut, sinkt auch deren Anteil an der Gesamtzahl der Arbeitslosen und man bekommt die gewünschten Ergebnisse. Früher war es vor Wahlen üblich, daß die Zahl der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen erheblich ausgebaut wurde, um die gewünschte Statistik zu bekommen. Heute geht dies auch billiger mit bspw. 1-Euro-Jobs. Daß die Über-50jährigen nicht plötzlich in regulären Jobs verschwunden sind, dürfte auf der Hand liegen, Etikettenschwindel eben. Machen alle Arbeitslosen gleichzeitig einwöchige Kurse, hat man laut offizieller Statistik Vollbeschäftigung.

Noch viel spaßiger sind sinnfreie Telefon(?)befragungen des forsa-Instituts, die für den TV-Sender n-tv durchgeführt wurden. Denen zufolge liegt die SPD nur noch zwischen 19 und 31 Prozent (fest bis sicher entschlossen, SPD zu wählen). Besonders hoch sei das Wählerpotenzial unter Schülern, besonders niedrig unter Arbeitslosen (21 Prozent), der eigentliche Wählerkern sei die mittlere Mittelschicht (35 Prozent). Das wäre dann fast die Wählerstruktur der Grünen… Soweit noch nachvollziehbar, wird es im zweiten Teil der Umfrage abenteuerlicher. Über Nacht scheint Schröders Agenda viele neue Anhänger gefunden zu haben – besonders bei jenen, denen mit Hartz4 vor Augen gegenwärtig am Stärksten die Hose flattert: der mittleren Mittelschicht. „Reformen kommen an – Arbeitslose für Agenda“ berichtet, daß auch die Mehrzahl der Arbeitslosen hinter den Hartz-Reformen stehen. Das nennt man entweder „bezahlte Auftragsforschung“, oder bei Forsa ist gerade Betriebsfeier gewesen. Prost!

Artikel vom Freitag, 12. Oktober 2007, 14:38 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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1 Kommentar »

  1. Nur noch einige Monate bis 2010

    Comment: HartzVI – 16. Oktober 2007 @ 19:09

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