Amerikanische Kriegführung in Vietnam

Donnerstag, 27. September 2007

Die Zeit hat Volker Ullrichs Rezension von Bernd Greiners Buch „Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam“ aus der Zeit Nr. 40 vom 25.9.07  dankenswerterweise online gestellt. Greiner ist Prof für Neuere Geschichte an Reemtsmas Hamburger Institut für Sozialforschung und befaßt sich in seiner Studie mit der Kriegführung der amerikanischen Bodentruppen in Vietnam, insbesondere den von diesen verübten Gräueln und Kriegsverbrechen. Dafür konnte der Autor bisher weitgehend ungenutzte Quellen in den amerikanischen National Archives nutzen – darunter das Archiv der von der amerikanischen Armeeführung eingesetzten „Vietnam War Crimes Working Group“ (das seit dem Irak-Krieg wieder gesperrt ist) sowie der „Peers-Kommission“, eines Untersuchungsausschusses der US-Armee.

My Lai war demzufolge alles andere als ein Einzelfall und war, wenn man so will, nur die Konsequenz aus den Vorgaben, wie die Truppe den Krieg zu führen hatte:

„Ein und dasselbe Territorium wurde immer wieder „durchgekämmt“ und danach geräumt – in der Hoffnung, dass der Gegner jedes Mal mit frischen Kräften nachrücken würde und man ihn auf diese Weise zum „Ausbluten“ bringen könnte. In der Logik dieses Abnutzungskalküls lag, dass die Zahl der getöteten Gegner – der body count – zum wichtigsten Kriterium des militärischen Erfolgs gemacht wurde. Das bedeutete, dass auf jeden Truppenführer, auf jede kämpfende Einheit ein starker Druck ausgeübt wurde, die „Tötungsquote“ zu erhöhen.“

Innerhalb dieser zu räumenden „free fire zones“ wurde dann auf alles geschossen, was sich bewegte – und da der Gegner sich nicht auf die amerikanische „klassische“ Kriegführung einließ und als Gegner für die Amerikaner nicht zu erkennen war, stellte Zielschießen auf Zivilisten die gängige Praxis dar. „Die gesamte Strategie in Vietnam lief also auf eine Entgrenzung der Gewalt und eine Brutalisierung der Kriegführung hinaus.“ Hinzu kam die Selbstradikalisierung der Truppe:

Jederzeit drohte der Tod durch Minen, Sprengfallen oder Heckenschützen. Angst mischte sich mit Wut, Hass mit Selbsthass, und daraus erwuchs – so Greiner – „die Selbstermächtigung zur exzessiven Gewalt“.

Wie das dann aussah, schildert Greiner in Fallbeispielen. Leider hat die Studie den stolzen Preis von 35 Euro, erhältlich etwa bei Amazon.

  • [2007,book] bibtex
    Greiner, B. (2007). Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam Hamburger Edition.
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Artikel vom Donnerstag, 27. September 2007, 16:29 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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