Das Märchen vom IT-Fachkräftemangel?

Dienstag, 18. September 2007

Die ct hat den Artikel aus Nr. 16/2007 „Gefühlter Mangel. Wie viele Informatiker braucht die Wirtschaft?“ von Frank Möricke online. Dabei ergibt sich ein eher vielschichtiges Bild des IT-Arbeitsmarkts und des Bedarfs an „IT-Spezialisten“: Während große Firmen keine Schwierigkeiten haben, aus einem großen Bewerberpool die für sie geeigneten Kandidaten herauszufischen, sind es vor allem mittelgroße und kleinere Firmen, die über einen Mangel an geeigneten Bewerbern klagen. Aus der (nicht repräsentativen) TechConsult-Studie für BITKOM:

Im Ergebnis hat sich gezeigt: Je größer die Firma, desto weniger Schwierigkeiten hat sie, Vakanzen zu schließen. In Betrieben ab 250 Mitarbeitern sahen 58 Prozent der Verantwortlichen in der Personalanwerbung ein eher kleines oder gar kein Problem. Zwei Drittel der Firmen wünschen sich Akademiker – aber die sind einem Teil von ihnen anscheinend auch zu teuer: Jedes dritte Unternehmen hat gerügt, dass die Bewerber „unrealistische Gehaltsforderungen“ äußerten.

Über die zu hohen Gehaltsforderungen von Akademikern beschwerten sich die eher kleineren Firmen. Im Juni d.J. folgte dann mit lautem Getöse die Forderung des BITKOM, den Arbeitsmarkt für Ingenieure und Informatiker aus dem Ausland zu öffnen bei gleichzeitiger Senkung des Mindestjahresverdienstes der „ausländischen Hochqualifizierten“. Zudem müsse über den Gaststatus und die Beschränkung der Arbeitsgenehmigung auf 5 Jahre nachgedacht werden. Daß für bspw. indische ITler der deutsche Arbeitsmarkt ziemlich uninteressant und trotz der Propaganda nicht so ganz auf „Weltniveau“ ist, scheint sich herumgesprochen zu haben. Dieses ganze Szenario wird von einer Studie der Düsseldorfer Beratungsfirma A.T.Kearney ad absurdum geführt,

„nach der in den nächsten fünf Jahren in den 500 größten deutschen Unternehmen rund 120000 IT-Jobs vor allem in den Bereichen Administration und Support ausgelagert und zum Teil verloren gehen könnten. (..).A.T.Kearney hatte im März von einen „Kehraus in der Branche“ gesprochen und davor gewarnt, dass IT-Kosten nicht mehr als gegeben akzeptiert würden. Das habe Konsequenzen für IT-Mitarbeiter und IT-Dienstleister, und so würden in den nächsten fünf Jahren durchschnittlich 80 Prozent aller Ausgaben für IT-Services aus Kosten- und Qualitätsgründen auf externe Firmen fallen.“

Chancen bestünden dann für Dienstleister mit guten Kontakten in Billiglohnländer. Insbesondere Jobs für „technische ITler“, deren Fortbildung deutschen Firmen zu teuer wird, werden ausgelagert und der Stellenabbau durch neue Jobs in anderen Bereichen nicht wieder aufgefangen: „Gegenüber den 120000 klassischen IT-Arbeitsplätzen, die so verschwänden, würden allenfalls 25000 neue mit branchenspezifischem oder BWL-Know-how entstehen.“ Und:

„Aus mittelständischer Sicht liegt es sicher nahe, die Zahl der potenziellen Bewerber deutlich zu erhöhen – das gestiegene Angebot senkt außerdem die Preise für die Arbeitskraft und gestattet, aus einem großen Bewerberpool sich die besten Kräfte herauszufischen. Weil dies in absehbarer Zeit auf Schwierigkeiten stößt, erschallen der Ruf nach ausländischen Kräften und die Klage über den drohenden Niedergang des Standortes Deutschland.“

Wie immer ist alles relativ. Der ganze Artikel auf Heise Online, Link s.o.

Artikel vom Dienstag, 18. September 2007, 12:06 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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