Keine Chance für Doofe

Dienstag, 21. August 2007

Nachdem die deutschen Hochschulen vor lauter „Exzellenz“-Wettbewerben, Exzellenz-Clustern, Modulen und „Elite“-Geschwätz (oder was sie dafür halten) nicht mehr laufen können, setzt man nun konsequenterweise auf einen „Wettkampf“ um die „besten“ Studenten. Denn zum tollen Exzellenz-Cluster paßt ja nur ein „Spitzenstudent“. Während man inzwischen selbst für Wallawalla-Studiengänge einen Notendurchschnitt von Einskomma braucht und das offenbar als Kriterium nicht mehr ausreicht, setzen die Unis Freiburg und Konstanz nach einer Meldung der FAZ auf eine IQ-Prüfung nach Kriterien des „Mensa“-(Hochbegabten)Vereins. Die „Auslese“ der begabtesten Studenten (für sowas war ja eigentlich der unsägliche „Bachelor“ gedacht, von denen dann nur ein kleiner Teil zum „Master“ zugelassen wird) erfolgt nun wieder nicht mehr im Studium, sondern wird schlicht vorverlagert ohne Berücksichtigung der Eignung der jeweiligen Kandidaten für den gewählten Studiengang. Schon klasse, auch ein „intelligenter“ Schimpanse hat jetzt wieder Chancen. Abgesehen vom Sinn oder Unsinn von Ausleseverfahren an deutschen Hochschulen bleibt festzuhalten:

„(..Grundgedanken der Hochschulautonomie). Aber im selben Moment, in dem sie ihm zu entsprechen versuchen, delegieren beide Universitäten die Entscheidung darüber, was Begabung ist, auch schon wieder weg: an ein abstraktes und desozialisiertes Testverfahren, dessen Anforderungen nichts mit denen der Universität zu tun haben. Alle ausgelagerten Hochbegabtenfindungsvarianten, die einen allgemeinen Intelligenztest als Kriterium akzeptieren, tragen insofern der Bildungsaufgabe von Hochschulen keinerlei Rechnung.“ FAZ)

Die „Top-Studenten“ werden anschließend in ein verschultes Studium gezwängt mit „Modulen“ und dem Sammeln von „Credit-Points“, die Praxis ist dann dank McKinsey und anderen externen Beratern alles andere als „exzellent“.

Und da man die Hochschulen im Reformwahn ständig mit der Fraunhofer-Gesellschaft verwechselt (die im Gegensatz zu den Hochschulen keinen Bildungsauftrag hat), passen sich auch die Kriterien für die Berufung von Hochschullehrern diesem Weltbild an. Nicht mehr derjenige hat gute Chancen auf eine Berufung, der in Forschung und Lehre Qualitäten vorweisen kann, sondern der am Besten in seinem Fach Vernetzte, der auch viele Drittmittel (aus welcher Quelle auch immer) einbringen kann. Der kann folglich auch in der Lehre die letzte Pfeife sein und wissenschaftlich eher Durchschnitt, wenn er nur genügend Drittmittel mitbringt. Wie schön, daß man sein Studium längst hinter sich hat und diesen ganzen Quatsch nicht mehr (zwangsweise) mitmachen muß.

Artikel vom Dienstag, 21. August 2007, 14:02 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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