Online-Auftritte von Printmedien

Montag, 07. Mai 2007

NewsDie taz hat die Netzeitung besucht. Die gibt’s also tatsächlich noch. Zur Erinnerung: Die Netzeitung ist ein Online-Magazin im Stil einer Tageszeitung ohne eine Printversion im Hintergrund. Leider klafften hier Anspruch und Wirklichkeit auch mangels größerer finanzieller Ressourcen immer weit auseinander, und im Zweifelsfall war die Netzeitung vor allem politisch rechts, was die Veranstaltung nicht unbedingt sympathischer machte. Um mehr Leser zu gewinnen (und um die Braut wohl für den nächsten Verkauf aufzuhübschen) hat man einen Relaunch hingelegt, bei dem auch gleichzeitig die inhaltlichen Schwerpunkte geändert wurden. „Intelligenter Boulevard“ ist jetzt die Lösung – mehr Sport und mehr Vermischtes. Zwar hat man dadurch die Leserschaft um angeblich 40 Prozent steigern können, wir sagen aber jetzt schon gute Nacht zu soviel Verflachung.

Die ominöse Mischung aus Boulevard und diversen Wallawalla-Themen scheint auch bei den Online-Auftritten von Medien aus dem Printbereich im Moment eine Seuche zu sein. Man merkte das in letzter Zeit an der Zahl der Verlinkung im Perlentaucher. Der Perlentaucher ist ein täglicher Online-Newsletter, der die Feuilletons der großen Tageszeitungen und der Magazine (Zeit, ggf. Spiegel Online) zusammenfaßt und, soweit die Artikel online sind, einen Direktlink dorthin anbietet. Nach dem von viel PR-Geschwurbel begleiteten Relaunch von Welt Online waren plötzlich fast alle Direktlinks zum Feuilleton der Welt verschwunden. Was nicht am Perlentaucher lag, sondern am Online-Auftritt der Welt. Übernahmen vom täglichen Welt-Feuilleton aus der Print-Version in die Online-Ausgabe waren plötzlich verschwunden. Und die wenigen Artikel, die auch den Weg in die Online-Ausgabe fanden, waren relativ unwichtig und fanden sich auf einer Seite mit steinalten Artikeln der vorherigen Woche wieder. So hat man auch hier mit einer großen Geldverbrennung mehr in die Technik investiert und bei den Inhalten hauptsächlich gekleckert. „Intelligenter Boulevard“, na denn. Mehr Masse statt Klasse kann’s angesichts der Summen, die da investiert werden, auch nicht sein.

Die SZ – deren Onlineauftritt sich nur für zahlende Abonnenten lohnt, die das ePaper im 1:1-Originallayout haben wollen – war auch noch so dämlich, gegen die Zusammenfassung ihres (Print)Feuilletons im Perlentaucher zu klagen, statt dies als Werbung für ihre Printausgabe zu begreifen. Der SZ-Onlineauftritt ist eher ja ärgerlich, da hier so gut wie nichts aus der Printausgabe übernommen wird, sodaß man bei interessanten Artikeln sich die Printausgabe kauft – auf die in der SZ-Online übrigens nicht hingewiesen wird. Liebe Leute, so wird das aber nichts mit dem großen Geld scheffeln im Web 2.0. ;-)

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Artikel vom Montag, 07. Mai 2007, 10:55 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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