Canon-Chip-Tintenpatronen nachfüllen

Samstag, 03. Februar 2007

Die neueren Canon-Tintendrucker der Pixma-Reihe, wie z.B. der iP4200, haben die unschöne Eigenschaft, daß nur Patronen mit einem bestimmten Canon-Chip verwendet werden können. Womit man auf Patronen des Herstellers angewiesen ist, die preislich je Farbe zwischen 12 und 14 Euro liegen. Wer nicht ständig Photos druckt, sondern nur schlicht seine Alltagsaufgaben mit den an sich sehr guten Canon-Druckern bewältigen will, zahlt bei der Ersatzbeschaffung ein stolzes Sümmchen.

Chiplose Nachbauten dieser Patronen, sofern deren Hersteller nicht wieder mit Patentklagen von Canon überzogen werden, setzen voraus, daß man den Chip der leeren Originalpatrone ablöst und auf den erheblich billigeren Nachbau klebt. Dann meckert zwar der Druckertreiber wegen eines Fremdformats und läßt den Sparwilligen diverse Male bestätigen, daß jetzt gerade die Garantie erlischt, der Gott der Drucker(hersteller) auf ihn hinabfahren wird und weiteres schlimmeres Ungemach droht – aber wer, wie gesagt, nicht ständig Photos druckt… Je nach Bestellmenge gibt es diese Patronen-Nachbauten etwa bei Pearl ab 1,60 Euro je Patrone, Bastlergeschick vorausgesetzt.

Unerschrockene Hobbybastler können auch die leeren Originalpatronen befüllen, was etwas komplizierter (und ggf. unsauberer) ist. Zwar nicht mit der laut Canon-PR schnelltrocknenden und lichtechten Originalfarbe, sondern mit Kreationen von bspw. KMP. Sowohl Feinmechaniker als auch Grobmotoriker kommen hier auf ihre Kosten, wir benötigen nämlich

  • eine Bohrmaschine / Akkuschrauber
  • Klebeband oder
  • den orangenen Verschlußriegel der Originalpatrone
  • eine alte Zeitung als Unterlage
  • ein Nachfüllset mit Tinte, Spritze und Kanülen
  • eine leere Originalpatrone mit Chip

PatronenMan nimmt die Patrone aus dem Druckkopf und verschließt möglichst dicht(!) die Tintenauslaßöffnung auf der Unterseite. Im Idealfall hat man noch den orangenen Verschlußriegel der Patrone aufgehoben, sonst muß man mit Klebeband für Dichtheit sorgen (andernfalls läuft aufgrund unseres Bohrlochs jede Menge Farbe auf die Unterlage!). Mit der Bohrmaschine bohrt man den Tintentank im vorderen Bereich der Patrone an (s. Abbildung). Mit der Spritze zieht man ausreichend Farbe aus der Flasche und befüllt damit langsam(!) den Tintentank. Wenn wieder ausreichend Farbe in der Patrone ist, verschließt man das Bohrloch sorgfältig mit Klebeband. Dem KMP-Set liegt noch ein Plastikpfropfen bei, den man ebenfalls verwenden kann. Der ebenfalls beiliegende Handbohrer ist leider etwas stumpf rsp. die Patrone zu hart. Anschließend öffnet man vorsichtig die Tintenauslaßöffnung an der Unterseite und setzt die Patrone wieder in den Druckkopf ein. Das KMP-Set kostet bspw. bei Pearl 10 Euro mit den 3 Farben Cyan, Magenta und Gelb in 30ml-Fläschchen. Alternativ gibt es ein Set nur für Schwarz mit 4 Fläschchen a 30 ml, jeweils zweimal schwarz Pigment und Farbstoff. Et voila, druckt – sogar preiswert.

Die Befüllung der ersten Patrone sollte man unter der Rubrik „Erfahrung“ verbuchen – auslaufende Farbe an unvermuteter Stelle dürfte erstmal die Regel sein (Auslaßöffnung war doch nicht dicht…), beim zweiten Versuch sollte man den Bogen raus haben. Und möglichst Plastikhandschuhe anhaben: Druckertinte haftet hartnäckig an den betroffenen Körperteilen. ;) Und ja, die Canon-Drucker sind, abgesehen von der Verbrauchsmaterialpolitik, ein Empfehlung!

[Update] Das Nachfüllen der Originalpatronen hat keine Auswirkungen auf die Füllstandsanzeige des Druckertreibers. Der in den Patronen integrierte Chip zeigt also keine Informationen über den tatsächlichen Stand des Tankinhalts an, sondern zählt nur von 100% (Originalfüllung) abwärts und verharrt nach einer Neubefüllung auf dem letzten Stand. Demnach sollte man mit der Neubefüllung nicht warten, bis der Druckertreiber rsp. der Drucker selbst einen zu geringen Füllstand bemeckert, sondern schon im laufenden Betrieb mit dem Nachfüllen beginnen, also etwa bei 30% Restbestand. Andernfalls bleiben die Warnmeldungen über Tintenknappheit auch bei vollen Patronen bestehen. Was an diesem Blödsinn patentierbar sein soll, weiß nur der Hersteller. Man kennt das von aktuellen PKW-Modellen und deren penetranten Service-Warnhinweisen („Service in 2.000 km“ – wie man diese abschaltet, steht allerdings in jedem Schrauberhandbuch). Würde dies mit der Wegfahrsperre kombiniert, ließe sich der Kunde unbegrenzt melken. Nunja – wie wir gesehen haben, gibt’s das bei Druckern bereits.

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Artikel vom Samstag, 03. Februar 2007, 23:44 Uhr in der Kategorie Fundbüro. Sie können Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Wenn Sie möchten, können Sie einen Kommentar hinterlassen oder einen Trackback von Ihrem Weblog senden.

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