Anfixen im Kindergarten

Mittwoch, 20. September 2006

Der Wahnsinn hat offenbar Methode. Während man von „Elite-Unis“ faselt (die dürfen bloß nichts kosten), Fächer nur noch rein nach kommerziellen Verwertungsmöglichkeiten beurteilt und sich von den McKinseys und Bertelsmännern die Hochschulen kaputtorganisieren läßt (zum „Bologna“-Prozeß gab es u.a. in der taz neulich einen informativen Artikel), behelligt man zukünftig bereits Kinder im Vorschulalter mit dem, was man für „Kompetenz“ hält, in dem Fall „Medienkompetenz“.

Unter dem Titel „Computer erobern die Kindergärten. Immer mehr Kitas schaffen PC für Drei- bis Sechsjährige an“ schreibt die Frankfurter Rundschau im Lokalteil vom 20.9.2006 (S. 23) über das „Schlaumäuse“-Projekt der Firma Microsoft mit der famosen Bundesfamilienministerin von der Leyen als Schirmherrin. Verkauft wird diese Werbeveranstaltung als soziale Fördermaßnahme, nämlich „vor allem in Vierteln mit schwieriger Sozialstruktur die Sprachkompetenz von Vorschulkindern mit Hilfe moderner Medien zu fördern.“ Die Sprachkompetenz! Am Tablet-PC! Polt, übernehmen Sie.

Daß man hier den zweiten Schritt vor dem ersten macht, fällt offenbar gar nicht auf. Wahrscheinlich hält man das alles für eine „Reform“ und Einwände dagegen „rückwärtsgewandt“, wir kennen das ja aus ganz anderen Bereichen. Weiß ist Schwarz und der Kühlschrank eine Waschmaschine – durch bloße Behauptung soll es wahr werden. Und: „Die Erzieherinnen sind gehalten, sich vor der Einführung von Kita-PC fortzubilden – beim „Schlaumäuse“-Projekt übernahmen dies Mitarbeiter von Microsoft.“ Noch Fragen? Die „Produktvorstellungen“ vor Lehrern werden übrigens schulintern „Dealer-Veranstaltungen“ genannt.

Nun sitzt in Schulämtern erfahrungsgemäß eine ganz besondere Spezies, die von moderner Technik nicht so ganz viel Ahnung hat. Dafür haben sie ja dann ihre Berater – das sind die bereits oben zitierten. Also wundere sich niemand, wenn bei so viel Sachverstand auch die nächsten Pisa-Tests in die Hose gehen.

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